In den vierziger Jahren, mit der Existenz der Universitäten Santa Maria, Católica und Chile, wuchs Valparaíso immer mehr zu einer Universitätenstadt heran. Da viele der Studierenden deutscher Abstammung waren, tauchte mehrfach, und in verschiedenen Kreisen der Gedanke zur Gründung einer deutschen Studentenverbindung auf.

Vergessen wir aber nicht, daß anderseits die bitteren Kriegs- und Nachkriegsjahre in der alten Heimat auch die Deutschstämmige hier in Chile trafen, und man sich dadurch wohl in dieser Zeit schwerlich die Zusammenschließung zu einer Studentenverbindung denken konnte.

Erst 1949, nachdem der Gedanke schon mehrfach von Studenten der örtlichen Universitäten, sowie auch in den Burschenschaften Araucania und Montania und zuletzt in der am 21. Mai stattfindenden D.C.B. Tagung aufgeworfen worden war, gab Herr Artur Junge den Anstoß zur Gründung einer deutschen Studentenverbindung.

In einer ersten Versammlung, die am 9. Juni 1949 im Deutschen Verein stattfand, stellte er einer kleinen Gruppe deutschstämmiger Studenten die Notwendigkeit dar, eine Verbindung der deutschen Studenten Valparaísos als Zentrum eines geistigen Austauschsleben zu gründen. Die äußere Form dieser Vereinigung stand noch zur Debatte.

Es wurden Gründe angeführt, warum dieser Gedanke einer Burschenschaft in Valparaíso nicht schon vorher aufgegriffen worden war, und man kam zur Erkenntnis, daß Valparaíso als Universitätsstadt eben erst zu leben begann. Ferner wurde die Frage der Exklusivität angeschnitten, ohne jedoch zu einer Einigung zu kommen. Als Arbeitsprogramm wurde zunächst festgelegt, wöchentliche Zusammenkünfte abzuhalten und in ihren Mittelpunkt eine von einem Mitglied gehaltenen Vortrag über ein Thema allgemeinen Interesses zu stellen. In der zweiten Versammlung, die am 23. Juni stattfand und bezeichnenderweise mit dem Lied "Wohlan, die Zeit ist kommen" eingeleitet wurde, nahm man endgültig Stellung zur Frage über Gründung einer studentischen Verbindung in Valparaíso.

Die einsetzende allgemeine Diskussion wurde dadurch beendet, daß der Bursch der Burschenschaft Araucania, Erwin Ramdohr, über Ziele und Form einer Burschenschaft berichtete. Über Bierparagraphen und die Frage der Exklusivität wurde wieder heftig diskutiert. Übereinstimmend erkannte die Mehrzahl der Anwesenden an, daß die Hauptmaße aus Studenten bestehen, die Vereinigung einer Auslese darstellen, und die äußere Form eine Straffe sein müsse: jedes Mitglied soll der Verbindung verpflichtet sein und wer seiner Pflicht nicht nachkommt, darf ihrer nicht wert sein.

So schritt man nun zur Gründungsabstimmung der Burschenschaft in Valparaíso. Die Verbindung wurde auf Burschenschaft Gaudeamus getauft, nachdem man Namen wie Burschenschaft Pazifikus oder Valparaíso abgelehnt hatte. Doch bald wurde die Burschenschaft Gaudeamus auf Burschenschaft Ripuaria umgetauft, gemäß ihrer lokalen Lage (Ripuaria = Uferbewohner).

Am gleichen Abend wurde der Erste Vorstand dieser jungen Verbindung abgestimmt. Die Ämter wurden durch folgende Personen belegt:

Erster Sprecher: Harro Friederichs
Zweiter Sprecher: Max von Brand
Schriftwart: Helmut Hiller
Kassenwart: Gerd Friederichs

Die erste Hauptversammlung am 30. Juni 1949 wurde vom Ersten Sprecher um 21:45 Uhr eröffnet. Zugegen waren die Gäste Artur Junge und die Burschen Erwin Ramdohr und Rudolf Waltherder der Burschenschaft Araucania. Bbr. Harro Friederichs hielt einen Vortrag über Architektur, dem eine Diskussion folgte. Anschließend verlas der erste Sprecher die vom Direktorium entworfene Gründungsakte, die von der Mehrheit angenommen wurde. Sie lautete:
GRÜNDUNGSAKTE

Unterzeichnete Gründen eine studentische Verbindung mit dem Namen "BURSCHENSCHAFT GAUDEAMUS".

Die Burschenschaft Gaudeamus verfolgt das Ziel, deutsches Kulturgut, Sitte und Tradition in gemeinschaftlicher Arbeit ihrer Mitglieder zu pflegen. Sie macht es sich zur Aufgabe, durch ihre Tätigkeit anregend in der deutschen Gemeinschaft in Valparaíso zu wirken.

Aktive Mitglieder können die Studenten der örtlichen Universitäten, die eine dem Bachillerato entsprechende Reifeprüfung abgelegt haben, werden. Ebenso bis zu einem Fünftel Nichtstudierende mit dieser Prüfung.

Das akademische Jahr läuft vom 1. April bis zum 30. Juni und vom 1. August bis zum 15. November.

Das Direktorium übernimmt es, die Grundbestimmungen und Satzungen auszuarbeiten.
Valparaíso, am 30. Juni 1949.

Es folgte der lustige Teil des Abends, eine Kneipe: Erwin Ramdohr übernimmt das Präsidium, es steigen lustige Lieder. Zwei Fuchsen müssen hinaus und binnen 10 Bierminuten eine Produktion vorführen (Der Mann mit den gelenkigen Armen). Die Produktion wird als gut befunden. Das Präsidium gibt sein Amt ab, und bald erscheint Erwin Ramdohr als Oberbonze, ein lustiges Gedicht zum Besten gebend. In fröhlicher Stimmung werden Lieder gesungen und ein Bierjunge ausgefochten. Um 23:45 Uhr war diese erste Kneipe ex.

Die ersten Jahre waren ohne Zweifel die Schwierigsten. In diesen ersten Jahren, den Aufbaujahren der B! Ripuaria, galt es erstmals Kontakt mit den deutschen Institutionen in Chile aufzunehmen, da man einem zukünftigen gemeinsamen Wirken hoffnungsvoll entgegensah. Den Beziehungen zu den schon länger in Chile bestehenden Burschenschaften wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Internen bearbeitete man in Anfangszeit die Grundbestimmungen, Satzungen und Bierkomment, eine Arbeit die im Jahre 1951 endgültig beendet wurde.

Bevor das erste Aktivitätsjahr endete (1949), bestimmte man noch die Farben, schwarz, weiß und rot für die B! Ripuaria. Schwarz bedeutet Tradition und verpflichtet uns aufrichtige Menschen zu sein. Weiß soll die Reinheit in alle unseren Taten beinhalten und rot ist die Flamme die uns die Energie verschafft gute Staatsbürger zu sein. Es sind die Farben vom zweiten Reich, das von Bismarck am 18. Juni 1871 gegründet wurde, als er Deutschland vereinigte. Mit ihnen übernahm man die Tradition des deutschen Kulturgutes und die Verantwortung sich in ihrem Zeichen stark am geistigen und kulturellen Wiederaufbau zu beteiligen, und die gesetzten Ziele, dem auserwählten Wahlspruch getreue, in Zucht Arbeit und Freude zu erreichen.
Mit einem Rückblick auf die dahin geleistete und froher Zuversicht für die kommenden Zeiten, konnte das Aktivitätsjahr 49 feierlich mit einer Hauptversammlung mit Gästen beschließen, in der den Mitgründer von der Verbindung, Herrn Artur Junge; den Stifter unseres Schlägers, Herrn Bruno Weiler; das einsichtsvolle Vorstandsmitglied des Deutschen Vereins, Herrn Kurt Goldmann; den unermüdlichen Helfer in der Bierbude, Herrn Harald Möller und den Stifter vom besten Bier Herrn Horst Schüttrumpf zu Ehrengästen der Burschenschaft Ripuaria ernannten.

Das erste Aktivitätsjahr war eine harte Probe für die Gründer der B! Ripuaria gewesen. Im August 1950 war nun der Zeitpunkt gekommen, daß die Mitglieder zur Reifeprüfung schritten. In einem feierlichen Burschungsakt (7. August) legten sie das Gelöbnis ab, sich lebenslänglich der Verbindung zu verpflichten.

Dann mußte man sich mit der Aufgabe beschäftigen, den noch engen Mitgliedskreis zu erweitern. Schon einen Monat nach der ersten Burschung nahm man die ersten zwei Fuchsen in die Verbindung auf: Manfred Busch und Arno Müller. Die nächsten Jahre kennzeichneten sich durch starken Zuwachs. Anfang des Jahres 1952 beschäftigten sich die Mitglieder der Ripuaria mit regelmäßigen Paukversammlungen, welche aber nach kurzer Zeit unterbrochen wurden, da der Fechtmeister, Herr Milo, leider bald verstarb.
Anfang 1953 bekam die Burschenschaft ein Raum im Keller des Deutschen Vereins; der dann in gemeinsamer Arbeit aller Mitglieder zu dem Versammlungssaal umgebaut wurde. Am 25. Juli wurde die offizielle Einweihung gefeiert, mit einem Festkommers in dem Curt Finster wegen seiner großen Verdienste um die Burschenschaft, zu dem ersten Ehrenmitglied ernannt wurde. Er stand immer mit Rat und Tat bei Seite und erlebte in einem jugendlichen Kreis nochmals seine Studentenzeit mit, uns das rechte Beispiel gebend. Die Inhaltsvolle Ripuaria Hymne, die zur 113. HV. zum ersten Mal gesungen wurde, haben wir ihm zu verdanken.

Am 17. November 1954 erlag, nach einem Flugzeugunglück Bbr. Rudolph Heldt dem Tode. Noch einige Wochen vor seinem Tode hatte er auf dem Katerfrühstück: in Limache als OB seine Bierzeitung vorgelesen. Wir gedenken jedes Jahr mit einem Trauerkommers allen verstorbenen Mitgliedern.

Mitte des Jahres 1956 wurde Alter Herr Gerd Friederichs, auf Grund seines ständiges und selbstloses Einsatzes zur Förderung der Burschenschaft, zum Ehrenmitglied ernannt.

In den Räumen des Deutschen Vereines hielten die Ripuaren ihre Versammlungen weiterhin ab, bis es der Aktivitas gelang, durch unermüdlichen Enthusiasmus viele Mühe zu überwinden, ein eigenes Haus zu mieten (Paseo Goñi). Dieses wurde im Jahr 1961 am 26. August, mit einer Hauptversammlung mit Damen als offizielles Heim und Aktivitätszentrum eingeweiht.

Bis zum Jahr 1978 hatte die Burschenschaft Ripuaria ihren Sitz in den Häusern 45 und 52 im "Paseo Almirante Goñi". Das Erste gehörte der Burschenschaft und das Andere wurde gemietet.

Anfang des Jahres 1978 erfuhr man nun, daß das gemietete Haus (Goñi 52) von der Eigentümerin in Verkauf gesetzt worden war. Man fragte sich damals in wieweit das Haus von Goñi 45 plus Haus von Goñi 52 eine Lösung für das Problem Heim der Burschenschaft sein würde. Da man sich nicht rechtzeitig zu einem Entschluß kam, wurde das Haus an einem anderen Käufer verkauft. Den Einwohnern (die Burschenschaft) wurde Frist bis Ende 1978 gegeben, um das Haus zu verlassen. Man war nun gezwungen sich nach einem anderen Heim umzusehen, da das Haus von Goñi 45 auf keinen Fall genügend Platz bot, um alle Bbr. Bbr. zu beherbergen. Unter mehreren Angeboten wurde eines der Besten, das Haus von Straße Quito 272 näher im Augenschein genommen. Der Preis, $ 1.650.000.- war angemessen, und das Haus großräumig, so daß es die Bedienungen als neues Heim der Verbindung gut erfüllte.
Vier Alte Herren, die in Viña oder in der Umgebung lebten, bildeten die Hauskaufskommission (HKK), die sich auch als bald in Bewegung setzte. Die Alte Herren waren folgende Bundesbrüder:

Pedro Roth (Hanko)
Gerd Reinke (Kaprikornius)
Günther Hoppe (Pacharini)
Carlos Winkler (Tüte)

Für alle gesetzliche Angelegenheiten vom Kauf und Verkauf wurde ein Advokat, Herr Alvaro Santamaría, eingestellt. Am 13. Oktober 1979 wurde der Vertrag unterschrieben und 50% vom Wert des Hauses als Anzahlung gegeben. Diese Anzahlung wurde zum Teil von der Kasse im Ausland und im größten Teil mit einem Kredit einer deutschen Bank, den wir mittels Bbr. Thomas Veigel erhielten, finanziert.

Am 3. März 1985 ließ das Erbeben das Haus in einem jämmerlichen Zustand. Nach Jahre Arbeit und Ausbesserungen konnte ein verbessertes und modern-ausgestattetes Heim den Aktivitas zur Verfügung gestellt werden. Zum Beispiel mit einem erneuten Fuchsenstall, Studierzimmer und ein Computerzimmer mit professioneller Ausstattung.

Zur Zeit, mit mehr als vierzig Jahre Aktivität, mit mehr als 100 Alte Herren, mit einem zahlreichen Fuchsenstall, kann man bekennen, daß die Verbindung mit Sicherheit und Hoffnung in die Zukunft blicken kann. Und aus innerer Überzeugung auf ein VIVAT, CRESCAT, FLOREAT, BURSCHENSCHAFT RIPUARIA IN ETERNUM, in ZUCHT und FREUDE weiter zu arbeiten, gedeihen und blühen.